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Von Stephan Bonaventura
Als Auszubildender hat Giuseppe Nardi bei Dr. Theiss Naturwaren angefangen, heute führt er das international erfolgreiche Homburger Unternehmen. Einen guten Teil seines Erfolgs teilt er seit Jahrzehnten mit der Kultur seiner Heimat, und dafür hat ihm das Saarland jetzt den Professorentitel verliehen.
Wenn Giuseppe Nardi erzählt, woher vieles in seinem Leben kommt, landet er in einer kleinen, günstigen Bibliothek. Dort hat er als junger Mann unzählige Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbücher verschlungen. Nach eigenen Worten hat er dort gelernt, in Bildern zu denken, und diese Fähigkeit hat er sich bis heute bewahrt. Seine gesamte Karriere, sagte er in seiner Dankesrede, verdanke er zu einem großen Teil diesem frühen Zugang zur Kultur. Daraus wuchsen später die Ideen für Werbeslogans und Fernsehspots, mit denen Dr. Theiss Naturwaren seine Produkte, wie Nardi sagt, millionenfach in vielen Ländern verkauft hat. „Ich habe nie Marketing studiert, sondern schöpfe wirklich aus dieser kulturellen Gabe, die mir mit auf den Weg gegeben wurde.“
Dass ausgerechnet dieser Mann jetzt Professor heißen darf, hat seinen eigenen Charme. Sein Vater hatte sich gewünscht, dass der Sohn einmal studiert, doch das Leben nahm einen anderen Verlauf, wie Kulturministerin Christine Streichert-Clivot in ihrer Laudatio freudig erzählte. Der Titel, den sie ihm in der Staatskanzlei überreichte, gehört zu den besonderen staatlichen Auszeichnungen des Saarlandes. Er geht an Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise um Kunst, Wissenschaft, Forschung oder Lehre und um das Land verdient gemacht haben. Bei Nardi kommen da einige Jahrzehnte zusammen. Der Blick in die Reihen sei „quasi ein Ritt durch die politische Geschichte des Saarpfalz-Kreises und der Stadt Homburg“, sagte die Ministerin gleich zu Beginn ihrer Laudatio.

Vom Gleisbau in die Geschäftsführung
„Diese Geschichte beginnt nicht in einer Vorstandsetage“, sagte Streichert-Clivot, die selbst im Saarpfalz-Kreis lebt und Nardis Arbeit nach eigenen Worten aus unmittelbarer Nähe verfolgt. Sie beginnt mit seinem Vater, der 1957 mit gerade einmal 18 Jahren Kalabrien verließ und schon einen Tag nach seiner Ankunft im Saarland Arbeit im Gleisbau fand. Später gründete er hier eine Familie mit vier Kindern. Eines davon ist Giuseppe, im Saarland geboren und aufgewachsen, heute deutscher und italienischer Staatsbürger. Als dem Vater wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten seines Arbeitgebers die Arbeitslosigkeit drohte, entschied sich der damals 17-Jährige, die Familie zu unterstützen.
1984 begann er eine Ausbildung bei Dr. Theiss Naturwaren in Homburg, und danach ging es bemerkenswert schnell. Wenige Jahre später trug er Verantwortung im Unternehmen und erschloss neue Märkte. 1995 wurde er geschäftsführender Gesellschafter, später übernahm er die Mehrheit. Heute sind die Produkte nach Angaben der Ministerin in mehr als 60 Ländern erhältlich, und rund 2.000 Menschen arbeiten weltweit für die Unternehmensgruppe. „Vom Auszubildenden zum erfolgreichen Unternehmer – das ist eine außergewöhnliche Lebensleistung“, sagte Streichert-Clivot.

Die Geschichte mit den 2.000 Liter Olivenöl
Eine Geschichte aus diesem Berufsleben gefällt der Ministerin besonders gut, und sie hat wenig mit Bilanzen zu tun. Ein Geschäftspartner hatte auf Kreta nach einer offenbar sehr geselligen Runde mit Bauern kurzerhand 2.000 Liter Olivenöl bestellt. Am nächsten Tag jedenfalls stellte sich die Frage, wohin mit dem ganzen Öl, und bei Dr. Theiss erklärte man sich sofort bereit, es zu übernehmen. Es wurde eingelagert und regelmäßig untersucht, bis eine Laborantin immer wieder auf Veränderungen bei einem bestimmten Wert hinwies. Nardi gab daraufhin den Auftrag, eine Creme daraus zu entwickeln, und hielt die Sache damit, wie er später selbst erzählte, eigentlich für erledigt. Herausgekommen ist die Olivenöl-Creme, aus der eine ganze Produktfamilie gewachsen ist. Manchmal beginne eine unternehmerische Erfolgsgeschichte eben „nicht mit einem ausgefeilten Businessplan, sondern mit 2.000 Litern Olivenöl und guter Stimmung drumherum“, sagte Streichert-Clivot.
Eröffnet hatte die Feierstunde David Lindemann, Chef der Staatskanzlei, und für ihn war es ein Heimspiel. „Als Homburger darf ich sagen: Ich bin ganz besonders stolz“, schließlich dürfe er ein paar Worte über einen stolzen Bürger einer stolzen Stadt sagen, der so viel Gutes bewirke. Seine eigene Formel für Nardis Verdienste drückte er so aus: „Er ist ein Mann, der das Leben schöner und leichter macht.“ Das liege zum einen an den Pflegeprodukten aus Homburg. Zum anderen liege es an einer nie enden wollenden Hilfsbereitschaft. Für Lindemann ist Nardi ohnehin weit mehr als ein erfolgreicher Unternehmer, nämlich ein „leidenschaftlicher Brückenbauer zwischen den Kulturen“.

Kulturell breit aufgestellt
Wie Nardi Kultur versteht, lässt sich gut am Beispiel der legendären Festa Italiana ablesen. 1994 hatte er sie ins Leben gerufen. Als die Ministerin den Namen aussprach, stellte sie fest, dass im Saal alle strahlten. Über viele Jahre holte das Fest mit Musik, Tanz, gutem Essen und vielen italienischen Künstlern ein Stück italienische Lebensfreude nach Homburg, und die deutsch-italienische Freundschaft feierte gleich mit. Die eine oder andere Beziehung, vermutete Streichert-Clivot, sei dort wohl auch entfacht worden. Im Fahrwasser der Festa wuchs Jahre später auch das saarlandweit beliebte Homburger Klassik Open Air heran, bei dem ein großes Orchester einen Sommerabend lang mitten in der Stadt spielt und einen exklusiven Klassik-Charme in die Universitätsstadt bringt.
„Wir fördern ganz bewusst keine teuren Konzerte oder elitären Veranstaltungen, sondern versuchen, ganz nah an den Menschen zu bleiben“, sagte Nardi selbst. Wenn man bei der Festa Italiana für zehn Euro ein klassisches Konzert besuchen könne oder als Zaungast sogar willkommen sei, dann sei das jedes Mal ein wunderschöner Moment. Besonders schön sei es, wenn Menschen, die noch nie in einem klassischen Konzert waren, plötzlich völlig begeistert seien, sobald ein Sinfonieorchester spiele.

Die Liste der Ensembles und Festivals, die er mit Dr. Theiss Naturwaren unterstützt, ist entsprechend lang. Sie reicht vom Homburger Sinfonieorchester über die Internationalen Kammermusiktage Homburg, den Homburger Musiksommer und die Musikfestspiele Saar bis zu den Sängerinnen und Sängern und dem Ballett des Saarländischen Staatstheaters. An dieser Stelle sprach Streichert-Clivot ausdrücklich als Kulturministerin eine Bitte aus: „Bitte hören Sie nie damit auf!“ Danach sieht es auch nicht aus. Mit dem „Tanz im Mai“ hat Nardi erst in diesem Jahr wieder ein neues Erfolgsformat auf den Weg gebracht. Andere würden nach so vielen Jahren vielleicht sagen, jetzt sollen mal die Jüngeren ran, meinte die Ministerin. Nardi frage sich offenbar eher, was man als Nächstes machen könne, und wenn er mit einer neuen Idee komme, bleibe es selten bei der reinen Idee.
Fürs Lesen ist es nie zu spät
Die Bibliothek seiner Jugend hat Spuren hinterlassen. Es sei ihm ein großes Anliegen, „junge und alle anderen Menschen zum Lesen zu bringen, denn dafür ist es nie zu spät“, sagte Nardi. Passend dazu fördert er das Lesefest HomBuch. Er unterstützt die Siebenpfeiffer-Stiftung, deren Einsatz für die Demokratie auch der anwesende Landrat schätzt und mitträgt. Außerdem hat er sich für ein Buchprojekt zur Demokratiegeschichte der Region engagiert. Dazu kommt sein Einsatz für historische Gebäude in Homburg, denn eine Stadt lebt, so die Ministerin, auch von dem, was sie aus ihrer Geschichte bewahrt.
Die Sache mit dem geschenkten Trikot
Jeder im Saal, vermutete Lindemann, habe Nardi irgendwann schon einmal um Hilfe gebeten, als Mitarbeiter, Geschäftspartner, Politiker, Ehrenamtler oder Freund. „Dass man von Ihnen ein Nein hört, passiert fast nie.“ Manche Menschen gingen mit wachsendem Erfolg auf Distanz zu ihrem Umfeld, bei Nardi sei es genau umgekehrt: „Je erfolgreicher du wurdest, desto mehr Zuwendung gab es für dein Umfeld.“
Ganz handfest zeigt sich das bei der Homburger Suppenküche. Was mit der einfachen Idee begann, gemeinsam Suppe zu kochen, Menschen zusammenzubringen und dabei Gutes zu tun, ist längst eine liebgewonnene Tradition. Allein im vergangenen Jahr kamen dabei 20.000 Euro für den DRK-Kreisverband Homburg zusammen. Mit einer Benefiz-Kunstauktion unterstützte Nardi zudem das Palliativzentrum Schmetterling am Universitätsklinikum des Saarlandes. Seine Frau, auch das betonte die Laudatorin, teilt dieses Engagement, ob bei gemeinsamen Benefizveranstaltungen zugunsten schwerkranker Kinder oder als Schirmherrin sozialer Projekte.
Woher diese Haltung kommt, hatte Nardi im vergangenen Jahr beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Homburg erzählt. Damals sprach er von seiner Kindheit und davon, wie viel ihm ein geschenktes Trikot oder eine Einladung zum Essen bedeutete, gerade weil sich seine Familie so etwas nicht ohne Weiteres leisten konnte. Streichert-Clivot zitierte den Satz, den er daraus ableitete: „Deshalb bin ich geprägt, zu teilen von dem, was ich erreicht habe.“ In seiner Dankesrede klang es ganz ähnlich. „Das Geld, das ich verdiene, möchte ich gerne mit vielen Menschen teilen“, sagte Nardi. Es gehe ihm nicht darum, Reichtum anzuhäufen und nur für sich zu behalten, er versuche vielmehr, mit gutem Beispiel voranzugehen und auch andere zum Geben zu motivieren. Lindemann hatte zu Beginn der Feierstunde schon die passende Schlussfolgerung gezogen. Wer das Erreichte teile und damit andere glücklich mache, müsse ein weiser Mann sein. „Und ein weiser Mann trägt zu Recht den Titel ‚Professor‘.“

Die Frau an seiner Seite
Einen eigenen Moment in der Laudatio bekam Nardis Frau. Die Ministerin wandte sich direkt an sie und sagte, das gesellschaftliche und karitative Engagement sei offenbar etwas, das die beiden miteinander verbinde. Donatella Nardi begleite ihren Mann bei zahlreichen Aktivitäten und setze sich auch selbst mit großem Engagement für andere Menschen ein. Damit leiste auch sie „einen wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft“. Schön finde sie es, sagte Streichert-Clivot, wenn zwei Menschen ihr Leben miteinander teilen und dazu die Überzeugung, „dass man mit den eigenen Möglichkeiten etwas Gutes bewirken kann“. Für ihren Einsatz an der Seite ihres Mannes dankte sie ihr ausdrücklich.

Erst Cavaliere, jetzt Professore
Im Januar 2025 hat ihn die Italienische Republik mit ihrem Verdienstorden ausgezeichnet, seitdem darf er den Titel Cavaliere tragen. Einen echten Ritter, gestand die Ministerin, habe sie bislang noch nicht vor sich gesehen. Über jene Ehrung hatte Nardi später gesagt, er habe vor allem seine Eltern stolz machen wollen. Es sei ein unvergesslicher Moment gewesen, von seinem Vater in den Arm genommen zu werden und dessen Stolz zu spüren.
Auch diesmal waren die Eltern dabei. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, wenn man 60 Jahre alt wird, dass die eigenen Eltern heute noch dabei sein können“, sagte Nardi. Sie hätten ihn gelehrt, immer mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben, und genau diese Bodenständigkeit versuche er nun seinen eigenen Kindern mitzugeben. Den Professorentitel betrachtet er als Ansporn und als Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein. Dass dieser Weg kein Selbstläufer ist, verschwieg er nicht. „Es kostet Geld, Kraft und Mühe, die Leute dafür zu begeistern.“ Ganz zum Schluss dankte er der Landesregierung und hängte noch einen Satz an, der ohne jede Feierlichkeit auskam: „Ich werde immer ein guter Saarländer bleiben.“







