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An Halloween rücken im Saarbrücker Zoo die Tiere in den Mittelpunkt, deren Name aus dem Reich der Gespenster stammt. Ein Aktionstag am Tropikarium und zwei Abendführungen erzählen, warum es um die Lemuren so schlecht steht.
Im alten Rom waren die „lemures“ ruhelose Totengeister, die nachts umherzogen und den Lebenden das Leben schwer machten. Als der schwedische Naturforscher Carl von Linné 1758 eine neue Tiergattung aufstellte, wählte er genau dieses Wort und begründete es damit, dass die Tiere vor allem nachts umhergehen, den Menschen in gewisser Weise ähneln und sich langsam bewegen. Unter den ersten drei Arten der Gattung war schon der Katta, den auch der Saarbrücker Zoo hält. Dass der Zoo seinen Lemuren-Aktionstag am Samstag, 31. Oktober, auf Halloween legt, hat deshalb mehr Logik, als man zunächst denkt.
Infostand und Lemuren-Ranger am Tropikarium
Tagsüber trifft man sich am Tropikarium, wo der Zoo die meisten seiner Reptilien hält und sich die Reptilien den Wohnraum mit Affen und Lemuren teilen. Von 10 bis 16 Uhr steht dort ein Infostand der Zoopädagogik. Das Team erzählt, wo die Tiere zu Hause sind, wie sie sich verhalten und was ihnen zusetzt. Kinder können sich außerdem zum Lemuren-Ranger ausbilden lassen, indem sie knifflige Rätsel lösen und verschiedene Aufgaben meistern.
Im Terminkalender des Zoos läuft der Tag als Welt-Lemuren-Tag. Dahinter steckt ein Festival, das 2014 in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo stattfand und seit 2015 weltweit von Zoos, Organisationen und Einzelnen gefeiert wird. Eigentlich fällt der Tag auf den letzten Freitag im Oktober, 2026 also auf den 30., in Saarbrücken steht er einen Tag später im Programm.
Wer danach in die Gehege schaut, trifft auf Kattas und Rotbauchmakis, die nach Zooangaben derzeit dort leben. Kattas leben in Gruppen von sechs bis 24 Tieren und verbringen etwa ein Drittel ihrer Zeit am Boden, mehr als jede andere Lemurenart. Rotbauchmakis leben dagegen in festen Paaren mit ihrem Nachwuchs, und wer genau hinsieht, erkennt die Geschlechter: Die Weibchen tragen einen großen, cremefarbenen Fleck am Bauch, die Männchen weiße, tränenförmige Flecken unter den Augen.
„Geister des Waldes“: Abendführung mit Gruselaufgaben
Am frühen Abend übernehmen die Gespenster. Unter dem Titel „Geister des Waldes“, so heißen Lemuren nach Angaben des Zoos in ihrer Heimat Madagaskar, bietet die Zoopädagogik zwei Führungen an, um 18 und um 19 Uhr. Die Teilnehmer erfahren Spannendes über Lemuren und andere nachtaktive Tiere und müssen sich gruseligen Aufgaben stellen. Rund 90 Minuten dauert der Rundgang, Treffpunkt ist der Zooeingang. Geeignet ist er laut Zoo für jede Altersgruppe, und wer mag, darf verkleidet kommen. Die Tickets kosten jeweils 12 Euro und gibt es online unter shop.zoosb.de/tbo.
Fast alle Lemurenarten sind bedroht
Wie ernst das Thema hinter dem Gruselspaß ist, zeigt die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN: Nach der Bewertung von 2020 gelten 103 der 107 noch lebenden Lemurenarten als bedroht, 33 davon sind vom Aussterben bedroht. Der Katta zählt als stark gefährdet, seine Bestände gehen zurück und sind zudem zersplittert. Ihm machen der Verlust seines Lebensraums, die Jagd und der illegale Heimtierhandel zu schaffen. Der Rotbauchmaki gilt als gefährdet, vor allem weil Brandrodung und Holzeinschlag seine Wälder zerstückeln. Der Zoo spricht von Abholzung und Wilderei, die den Lebensraum der Tiere bedrohen.
Saarbrücker Zoo als Gründungsmitglied der AEECL
Im Lemurenschutz ist der Saarbrücker Zoo, der nach eigenen Angaben rund 200.000 Gäste im Jahr zählt und rund 1000 Tiere aus mehr als 100 Arten hält, kein Zaungast. 1989 gründete er gemeinsam mit den Zoos in Mulhouse und Köln sowie der Universität Straßburg die Association Européenne pour l’Étude et la Conservation des Lémuriens (AEECL). Anlass war der dringende Schutzbedarf in der Region Sahamalaza in Madagaskar, wo die Bestände der dort lebenden Lemurenarten stark zurückgegangen waren. Im Jahr 2000 startete die AEECL dort mit der Wildlife Conservation Society ein gemeindebasiertes Programm zur Verwaltung der natürlichen Ressourcen, das Land- und Meeresökosysteme schützen und den Lebensunterhalt der Menschen verbessern sollte. Besonders wichtig war ein Schutzgebiet für den Blauaugenmaki, der fast nur auf der Sahamalaza-Halbinsel vorkommt und vom Aussterben bedroht ist. 2001 erklärte die UNESCO die Region zum Biosphärenreservat, im Juli 2007 wurde sie als Nationalpark eingeweiht. Die Schutzprojekte der AEECL unterstützt der Zoo nach eigener Darstellung aktiv.
Lemuren-Aktionstag und Halloween im Saarbrücker Zoo
- Wann: Samstag, 31. Oktober
- Am Tropikarium: Infostand der Zoopädagogik von 10 bis 16 Uhr, außerdem Ausbildung zum Lemuren-Ranger für Kinder
- Abendführung „Geister des Waldes“: um 18 und um 19 Uhr, rund 90 Minuten, Treffpunkt Zooeingang, jeweils 12 Euro, Tickets online unter shop.zoosb.de/tbo, Verkleiden möglich
- Öffnungszeiten: Der Zoo ist täglich geöffnet, im Oktober von 8.30 bis 18 Uhr (letzter Einlass 17 Uhr, Tierhäuser schließen um 17.30 Uhr), ab 1. November von 9 bis 17 Uhr (letzter Einlass 16 Uhr), Preise und Zeiten im Überblick
- Tageseintritt: Erwachsene ab 16 Jahren 15 Euro (mit Artenschutz-Euro 16 Euro), ermäßigt 12 Euro (mit Artenschutz-Euro 13 Euro), Kinder von 5 bis 15 Jahren 2 Euro





