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StartKulturEva Kammigan in Saarbrücken – Homers Mythos radikal reduziert

Eva Kammigan in Saarbrücken – Homers Mythos radikal reduziert

Homers Epos hat 3000 Jahre auf dem Buckel. In der KuBa-Kantine schrumpft die Odyssee nun auf ihre Essenz zusammen – getragen von einer Schauspielerin, die eine ganze Welt erschafft.

Eine mondlose Nacht, ein dunkler Strand und ein Mann, der verkleidet an sein eigenes Ufer schleicht. Hinter ihm liegen der Krieg, entfesselte Seeungeheuer, das düstere Totenreich und die verführerische Zauberin Circe. Vor ihm liegt die Aufgabe, jene Männer zu vertreiben, die in seiner Abwesenheit seine Burg besetzt haben. Doch bevor der Kampf beginnt, muss er seinem Sohn Telemachos erst einmal erzählen, wo er all die Jahre war.

Der dänische, 2004 verstorbene Autor Kim Nørrevig hat sich den jahrtausendealten Stoff der griechischen Mythologie vorgenommen und ihn radikal eingedampft. Seine Fassung, von Kerstin Kirpal aus dem Dänischen übersetzt, verzichtet auf epische Ausuferungen und fokussiert sich auf den Kern der Erzählung.

Den Rahmen für diese reduzierte Interpretation bietet am Sonntagabend die Kantine des Saarbrücker KuBa. Dort schlüpft eine Frau im Alleingang in gut ein Dutzend Rollen: Eva Kammigan. Dass sie für eine solch kräftezehrende Aufgabe die nötige Wandelbarkeit mitbringt, beweist ein Blick auf ihre Biografie. Ausgebildet an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin, spielte sie sich über Bühnen in Meiningen und Senftenberg – wo sie einst als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde – bis ins Saarland. Heute pendelt sie zwischen Spree und Saar, hat in Saarbrücken aber längst eine künstlerische Heimat gefunden.

Wer am Wochenende gerne den Fernseher für einen ARD-Krimi einschaltet, kennt ihr Gesicht aus den Saarland-„Tatorten“ Das fleißige Lieschen oder Der Herr des Waldes. Doch auch abseits der Kamera und fernab von TV-Realismus zeigt sie eine enorme Bandbreite: Am Saarländischen Staatstheater steht sie aktuell unter anderem als fiese Hexe des Westens in Der Zauberer von Oz auf der Bühne, sie ficht, beherrscht Akrobatik und singt von Chanson bis Soul.

Für das Solo im KuBa tauscht sie das Fernsehset und die große Ensemble-Bühne gegen ein maximal minimalistisches Setting. Das einzige Requisit, das ihr für die Reise durch die Mythologie zur Verfügung steht, ist eine simple Klappleiter. Mit ihr holt sie neben dem listigen Helden auch Figuren wie einen wütenden Zyklopen in den Raum. Das Stück setzt ganz auf das pure Handwerk des Geschichtenerzählens und überlässt es dem Publikum, die tosenden Meere im eigenen Kopf entstehen zu lassen.

Eine nackte Bühne, eine Leiter, eine wandelbare Stimme. Mehr braucht es manchmal nicht, um den Staub von einem alten Mythos zu pusten.

Kompakt:

Odysseus
Schauspiel von Kim Nørrevig
Aus dem Dänischen von Kerstin Kirpal
Mit: Eva Kammigan

Termindaten:

Sonntag, 31. Mai, 19 Uhr (Einlass: 18.30 Uhr)
KuBa – Kulturzentrum am EuroBahnhof (Kantine), Europaallee 25, 66113 Saarbrücken
Eintritt: Flexibles Preissystem (5, 10 oder 15 Euro). Karten nur an der Abendkasse.

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