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Neun Jahre Galerie Julia Johannsen – Wie Kunst in Homburg die Menschen verbindet

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Von Stephan Bonaventura

Ein Bild kann auf einem Display auftauchen und gleich wieder verschwinden. Bilder kommen und gehen, sind oft eine Momentaufnahme und schnell wieder aus dem Sinn. In Julia Johannsens Homburger Galerie bekommen sie Gewicht, Zeit, Raum und ein wertschätzendes Gegenüber – seit inzwischen neun Jahren.

Neun Jahre sind für eine Galerie kein runder Geburtstag. Für Julia Johannsen war Freitag, der 24. Juli, trotzdem ein guter Anlass, Kunstschaffende und Publikum in Homburg zusammenzubringen. Mit einer „Arty-Party“ feierte sie das Bestehen ihres Hauses in der Saarbrücker Straße 7 inmitten der schönen Altstadt – und eröffnete zugleich eine neue Gruppenausstellung. Die Feier erinnerte daran, dass dieser Ort von Anfang an mehr sein sollte als eine reine Verkaufsfläche: ein Haus für Kunst und für die Menschen, die sie machen, betrachten und miteinander besprechen.

Als Johannsen ihre Galerie im Sommer 2017 eröffnete, bezeichnete die Stadt Homburg sie als neuen „Kunst- und Kommunikationsort“. Das war ziemlich genau das Programm. Johannsen zeigt dort natürlich ihre eigene Malerei, lädt aber regelmäßig weitere Kunstschaffende ein. Malerei steht neben Fotografie und Digital Art, etablierte Namen treffen auf Menschen, die zum ersten Mal öffentlich ausstellen. Im exklusiven Jetzt.+ Interview mit unserem Magazin nannte sie die Galerie eine „Heimat der Kunst“ und einen Ort der visuellen Kommunikation. Wie treffend.

Bis zur Eröffnung ihrer eigenen Galerie war Johannsen bereits viele Jahre künstlerisch aktiv. Mit 16 begeisterte sie sich nach eigener Erinnerung besonders für Vincent van Gogh, mit 18 stellte sie bereits aus. 2008 gründete sie die Gruppe KunterBund, um gemeinsam mit jungen Menschen aus Fotografie, Grafik und Malerei eine eigene kleine Szene aufzubauen. Später folgten Ausstellungen unter anderem in Saarbrücken, Berlin und Frankreich. In Saarbrücken studierte Johannsen Germanistik und Evangelische Theologie. Selbst ihre Examensarbeit führte Kunst und Glauben zusammen: Sie beschäftigte sich mit Licht in einem Vers des Johannesevangeliums und in der Glasmalerei sakraler Räume.

Foto: Galerie Julia Johannsen

Wenn Instagram an der Galeriewand endet

Licht ist bis heute ein Schlüssel zu Johannsens eigener Malerei. Sie arbeitet mit Öl, Spray, Pastellkreide und Tapes, häufig in Blautönen. Ihre Farbflächen sollen sich mit Blickwinkel, Raum und Beleuchtung verändern. „Weltsehen“ nennt sie den Prozess, Eindrücke aus Natur und Alltag aufzunehmen und auf der Leinwand weiterzuverarbeiten. Bei der Jubiläumsausstellung zeigte Johannsen wieder neue blaue Bilder – allerdings, wie sie in ihrer Eröffnungsrede betonte, auch einige farbliche Ausflüge.

Entscheidend für das Profil der Galerie ist der Blick über die eigenen Bilder hinaus. Manche Kunstschaffende lernt Johannsen bei Ausstellungen kennen, andere entdeckt sie auf Instagram. Die Ziel dabei: Der digitale Fund soll nicht im Feed steckenbleiben. Johannsen lädt junge Talente in die „analoge Welt“ der Galerie, wo ein Bild nicht nur schnell gewischt, sondern in Größe, Oberfläche und Wirkung im Raum erlebt werden kann. Inzwischen, sagte sie, sei daraus fast eine feste Crew entstanden. Zugleich soll bei jeder Ausstellung ein neuer Name hinzukommen.

Bei der Jubiläumsschau übernahm Patrick Ruffing diese Rolle. Er arbeitet unter dem Künstlernamen Gedankengrund. Daneben kehrten mehrere Künstlerinnen und Künstler zurück, die bereits zuvor in der Galerie vertreten waren. Dazu gehörte der Berliner Fotograf und Kameramann Alexander Palm, der laut Johannsen fast von Beginn an dabei ist. Gezeigt wurde sein Werk „Flower Frenzy“ im breiten Cinemascope-Format – eine Verbindung zu seinem zweiten Arbeitsfeld, dem bewegten Bild. Palm arbeitet seit den frühen 2000er-Jahren als lichtsetzender Kameramann und Fotograf und führte bis 2022 selbst eine Galerie für Fotokunst in Berlin-Mitte.

Felix Jacob, Kunststudent in Karlsruhe, beschäftigte sich in seinen Arbeiten mit Perspektive, Form und den Erwartungen des Publikums. Nico Reisich, der unter dem Namen Nikola Riz arbeitet, zeigte mit „Konstruktion des Inneren“ ein großformatiges Werk aus seinem Kunststudium. Tristan Matthias Didion präsentierte digital erzeugte Bilder; Erika Kaisarov richtete ihren Blick auf Ansichten aus der Natur. Der laut Johannsen in den USA geborene und seit Jahren in Deutschland lebende Isaac Ayala war mit einem neuen, unbetitelten Werk vertreten. Bei Hermann Weis aus dem französischen Schweyen, seit Jahrzehnten freischaffend tätig und für abstrakte, oft großformatige Malerei bekannt, spielten diesmal Linien eine besondere Rolle.

Foto: Galerie Julia Johannsen

Eine Galerie als Gegenmodell zur Distanz

Diese Mischung war nicht bloß ein Nebeneinander verschiedener Techniken. Sie erzählte auch davon, wie offen der Begriff Kunst inzwischen geworden ist: Eine Aufnahme aus der Kamera kann neben digital erzeugten Bildern stehen, auch KI-gestützte Arbeiten hatten in früheren Ausstellungen bereits ihren Platz. Schon früh verband Johannsen ihre Projekte außerdem mit Musik; über die Reihe „Out of the Box“ und die Zusammenarbeit mit dem Lesefest HomBuch kam Literatur hinzu. Das Haus, die Galerie, versteht die Grenzen zwischen den Genres eher als Einladung denn als Absperrband.

Dahinter steht eine konkrete Vorstellung davon, was eine Galerie leisten kann und in ihren Augen muss. Johannsen beschreibt ihr Haus als Künstlergalerie, die Kunst fördern soll. Im Jetzt.-Interview beschrieb Johannsen ihr Haus als Künstlergalerie: „Ich fördere die Kunst und nehme keine Prozente.“ Gerade in einer Kunstwelt, die längst auch über Plattformen, Reproduktionen und Versand funktioniert, hält sie an der persönlichen Verbindung fest. Sie möchte wissen, wohin ein Bild geht. Und sie möchte, dass diejenigen, die Kunst schaffen, den Menschen begegnen können, die vor ihr stehen.

Während der Corona-Zeit, erzählte Johannsen, habe sie besonders deutlich gespürt, welchen Wert ein eigener Ort besitzt. Auch als vieles geschlossen war, blieb die Möglichkeit, Werke in einem realen Raum zu zeigen. Diese Erfahrung erklärt vielleicht, weshalb in ihrer Rede zum neunten Geburtstag die Gäste fast ebenso wichtig waren wie die Bilder. Kunst, so ihre Haltung, entsteht nicht im luftleeren Raum.

Die Galerie ist dabei kein Gegenentwurf zum Digitalen. Johannsen entdeckt online viele neue Talente, und manche der gezeigten Arbeiten entstehen ja auch am Bildschirm. Entscheidend ist für sie aber, dass die Kunst nicht dort bleibt. In ihrer Homebase können Gäste die Werke im Original betrachten und mit den Kunstschaffenden darüber sprechen. Diese Begegnungen prägen die Galerie seit neun Jahren und werden es sicher noch viele weitere Jahre.

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