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Zwei Filme, zwei Abende, danach jeweils ein Gespräch: Am UKS in Homburg geht es im November um die Liebe mit siebzig und um eine Pflegefachfrau, deren Schicht aus dem Ruder zu laufen droht.
Auf dem Plakat zum Filmfestival der Generationen in Homburg findet sich ein Hinweis, den man auf Kinoankündigungen selten liest: gerne Sitzkissen mitbringen. Ein Hörsaal ist eben nicht für seinen Sitzkomfort berühmt, und in einem solchen laufen die Filme. Im Großen Hörsaal des Zentralen Hörsaalgebäudes (Gebäude 35) auf dem UKS-Campus gibt es am 5. und am 18. November jeweils um 19 Uhr Kino statt Vorlesung, bei freiem Eintritt und mit einem Gespräch im Anschluss, bei dem niemand mitschreiben muss. Die beiden Filme haben auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun, denn der eine erzählt als iranische Tragikomödie von der späten Liebe einer 70-Jährigen, der andere als Schweizer Drama von einer einzigen Spätschicht auf einer Krankenhausstation.
Organisiert hat die Abende wieder Reinhild Burgdörfer, evangelische Klinikseelsorgerin am UKS, im Auftrag des Klinischen Ethikkomitees und gemeinsam mit dem Homburger Unikino. Neu ist das nicht, denn schon bei der 15. Ausgabe im Herbst 2024 liefen am UKS „Ein Mann namens Ove“ und „In voller Blüte“, beide ebenfalls mit Diskussion hinterher. „Wir möchten Alt und Jung zusammenbringen, gemeinsam gesellschaftlich relevante Filme schauen und anschließend über diese sprechen“, erklärt Burgdörfer. Studenten, Beschäftigte auf dem Campus und die interessierte Öffentlichkeit sind gleichermaßen angesprochen – „wir freuen uns über jede Besucherin und jeden Besucher, alle sind herzlich willkommen!“
„Ein kleines Stück vom Kuchen“ – Liebe mit siebzig in Teheran
Den Anfang macht am Donnerstag, 5. November, die iranische Tragikomödie „Ein kleines Stück vom Kuchen“ aus dem Jahr 2024. Mahin ist 70, ihr Mann ist gestorben, die Tochter lebt inzwischen in Europa, und seither wohnt Mahin allein in Teheran. Bei einem Treffen mit ihren Freundinnen, bei dem es um Alltägliches, ums Älterwerden und selbstverständlich um Männer geht, reift in ihr der Wunsch, ihr Liebesleben wieder aufzunehmen, und die strenge Sittenpolizei schreckt sie dabei nicht ab. Sie lernt den Taxifahrer Faramarz kennen, lässt sich abends von ihm nach Hause fahren und lädt ihn spontan zu sich ein. Aus dem vorsichtigen Kennenlernen werden Wein, Musik und ein Stück Kuchen und für Mahin eine Nacht, die sie so schnell nicht vergessen wird. Das Ende, so viel sei verraten, kommt überraschend.
Im Iran selbst wurde der Film zum Politikum. Die Regisseure Maryam Moghadam und Behtash Sanaeeha hatten ihn zum Teil heimlich gedreht, und als sie im September 2023 nach Paris ausreisen wollten, wurden ihre Pässe beschlagnahmt. Auch zur Berlinale 2024 konnten sie nicht reisen, obwohl der Film dort im Wettbewerb lief und sowohl den Preis der Ökumenischen Jury als auch den der internationalen Filmkritik (FIPRESCI) erhielt. Im April 2025 teilten die beiden mit, ein Revolutionsgericht in Teheran habe sie wegen „Propaganda gegen das System“ zu 14 Monaten Haft verurteilt, die erst in fünf Jahren anzutreten seien, dazu komme eine Geldstrafe.
Nach dem Film sprechen PD Dr. Nasenien Nourkami-Tutdibi, Sadaf Rezaei und Dorna Hogeabri, die am UKS arbeiten, forschen beziehungsweise studieren, gemeinsam mit weiteren Mitgliedern des Ethikkomitees über ihre Sicht auf den Iran, auf die Kultur und auf ihre eigene Geschichte.
„Heldin“ – Eine Spätschicht auf der Chirurgie
Am Mittwoch, 18. November, folgt „Heldin“ aus dem Jahr 2025. Floria, gespielt von Leonie Benesch, ist erfahrene Pflegefachfrau auf der Chirurgie eines Schweizer Krankenhauses, und bei ihr sitzt jeder Handgriff. Selbst in stressigen Momenten hat sie normalerweise ein offenes Ohr für ihre Patientinnen und Patienten und ist im Notfall sofort zur Stelle. An diesem Tag fällt bei der Spätschicht auf der voll belegten Station eine Kollegin aus, und trotz aller Hektik kümmert sich Floria um eine schwerkranke Mutter, einen alten Mann und einen Privatpatienten mit Extrawünschen. Dann aber unterläuft ihr ein verhängnisvoller Fehler, und die Schicht droht völlig aus dem Ruder zu laufen.
Regie und Drehbuch stammen von Petra Volpe, die schon mit „Die göttliche Ordnung“ einen Kinoerfolg gelandet hat. „Heldin“ feierte im Februar 2025 bei der Berlinale Premiere und kam am 27. Februar 2025 in die deutschen Kinos, beim Schweizer Filmpreis 2026 wurde er als bester Spielfilm ausgezeichnet. Mit mehr als 207.000 Kinoeintritten war er zudem der erfolgreichste Schweizer Film des Jahres 2025, was ihm den erstmals vergebenen „Box Office Quartz“ einbrachte. Eine Texttafel am Ende des Films prognostiziert, dass in der Schweiz bis 2030 30.000 Fachkräfte fehlen werden, und das Programmplakat gibt dem Abend die passende Frage gleich mit: Braucht es Heldinnen oder bessere Strukturen?
Für die Diskussion stehen die beiden Intensivpflegefachkräfte Petra Nihalani und Torsten Halter zusammen mit dem Pflegewissenschaftler Lukas Bonner bereit.
Das Festival dahinter
Die beiden Abende sind zwei von rund 370 Veranstaltungen des 17. Europäischen Filmfestivals der Generationen, das noch bis zum 30. November in über 150 Städten und Gemeinden in ganz Deutschland läuft. Auf dem Programm stehen 39 Spiel- und Dokumentarfilme, neun davon Festivalpremieren, und alle befassen sich mit zukunftsrelevanten Themen wie dem demografischen Wandel und Altersbildern, Nachhaltigkeit und Umweltbildung, Krieg und Migration. Die Katholische Hochschule Freiburg trägt das Festival, vor Ort sind Kommunen und Einrichtungen die Gastgeber, in Homburg eben das UKS.
Das Konzept lebt vom Gespräch: Der Film dient als Anlass, und die Publikumsdiskussionen danach sind ein zentraler Bestandteil des Festivals. Es soll über das eigene und das gemeinsame, heutige und zukünftige Leben gesprochen und so der Dialog der Generationen gefördert werden. Weitere Informationen und das komplette Programm gibt es unter www.festival-generationen.de.
Europäisches Filmfestival der Generationen am UKS
- Ort: Großer Hörsaal, Zentrales Hörsaalgebäude (Geb. 35), UKS-Campus, Kirrberger Straße 100, 66421 Homburg
- Beginn: jeweils 19 Uhr, Eintritt frei, eigenes Sitzkissen gerne mitbringen
- Donnerstag, 5. November 2026: „Ein kleines Stück vom Kuchen“ (Iran 2024, Regie: Maryam Moghadam und Behtash Sanaeeha, deutsche Fassung, ab 14 Jahren). Gespräch danach mit PD Dr. Nasenien Nourkami-Tutdibi, Sadaf Rezaei, Dorna Hogeabri und weiteren Mitgliedern des Ethikkomitees
- Mittwoch, 18. November 2026: „Heldin“ (Schweiz/Deutschland, Regie: Petra Volpe, ab 14 Jahren). Gespräch danach mit Petra Nihalani, Torsten Halter und Lukas Bonner
- Veranstalter: Ethikkomitee am UKS, Klinikseelsorge, Unikino. Kontakt: Reinhild Burgdörfer, 06841 16-27450, reinhild.burgdoerfer@uks.eu
- Mehr Infos: www.festival-generationen.de





