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Was verbindet eine KI für Stadtgrün mit einem Krötenzaun? Beide stehen in Saarbrücken in diesem Jahr auf dem Siegertreppchen des Umwelt- und Klimaschutzpreises.
Wenige Minuten hat eine Software bei einer Erprobung in Saarbrücken nach Angaben der Stadt gebraucht, um für ein 40 Hektar großes Grünprojekt ein Leistungsverzeichnis zu erstellen, und auf herkömmlichem Weg wären dafür mehrere Arbeitstage nötig gewesen. Hinter der Software steht die ehrenamtliche Initiative BinaryRoots, die beim Umwelt- und Klimaschutzpreis der Landeshauptstadt jetzt auf Platz eins gelandet ist.
Verliehen wurde der Preis am Mittwoch, 28. Oktober, im Rathausfestsaal, zum fünften Mal seit der Premiere im Dezember 2022. Ausgezeichnet werden Projekte, die in besonderer Weise zu nachhaltiger Mobilität, zum Schutz der Artenvielfalt und zu einer lebenswerten Stadt beitragen, und aus 21 Einsendungen hatte eine Jury aus Mitgliedern des Ausschusses für Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit diesmal die Sieger zu wählen. Mehr Einsendungen gab es bislang nie, denn 2022 waren es 15, 2023 dann 20, 2024 16 und 2025 nur 14. Als Preisgeld stellt die Stadt jedes Jahr insgesamt 10.000 Euro bereit.
Urban AiVi, die KI fürs Stadtgrün
Der volle Titel des Siegerprojekts klingt ein wenig nach Amtsstube: „Urban AiVi – KI-gestütztes Planungssystem für kommunale Grüninfrastruktur“. Dahinter steckt ein gemeinnütziges System, das Kommunen helfen soll, Grünflächen und Stadtbäume effizienter zu planen und Städte besser auf die Folgen des Klimawandels einzustellen. Es soll komplexe Planungsaufgaben vereinfachen und neben dem Klimaschutz auch den Natur- und Artenschutz berücksichtigen.
Das Leistungsverzeichnis, bei dem die Software in der Erprobung gemeinsam mit der Landeshauptstadt so schnell war, listet genau auf, welche Arbeiten für ein Vorhaben ausgeschrieben werden. BinaryRoots, in Berlin ansässig, versteht sich nach eigenen Angaben als Weiterentwicklung des interdisziplinären Projekts Grün+ und will dessen Forschung zum Freiraummanagement in digitale Werkzeuge für Kommunen überführen. 2.000 Euro Preisgeld gehen nun an die Initiative.
Der Amphibienschutz des NABU Saarbrücken
Weniger digital, dafür seit Jahren erprobt, ist der zweite Platz. Der NABU Saarbrücken e. V. bekam 1.600 Euro für sein Engagement im Natur- und Artenschutz, dessen besonderer Schwerpunkt der Amphibienschutz ist. Wenn gegen Ende des Winters die Temperaturen steigen und Kröten, Frösche und Molche zu ihren Laichgewässern aufbrechen, sichern ehrenamtliche Helferinnen und Helfer an mehreren Standorten gefährliche Straßenquerungen und bringen die Tiere sicher ans Ziel. Allein 2026 waren dabei 126 Menschen im Einsatz.
Organisiert wird das gemeinsam mit dem städtischen Amt für Klima- und Umweltschutz, in dessen Auftrag nach Angaben der Stadt das Zentrum für Bildung und Beruf Saar die Schutzzäune aufstellt. Kontrolliert werden sie täglich, früh morgens oder abends, wofür die Stadt Freiwillige sucht, die mindestens einmal pro Woche mitmachen, und betreut wird die Wanderung von Mitte Februar bis Anfang April. Platz zwei kennt der Verein schon: Bereits bei der Premiere 2022 belegte der NABU Saarbrücken mit dem jährlichen Projekt Amphibienschutz diesen Rang, damals ebenfalls mit 1.600 Euro, und 2023 gelang ihm das erneut.
Die „Faire Schulklasse“ auf Platz drei
Den dritten Platz und 1.400 Euro erhielt der Diriamba-Verein / Fairtrade Initiative Saarland e. V. für die Bildungskampagne „Faire Schulklasse – Klasse des Fairen Handels“. Ausgezeichnet werden Schulklassen, die sich im Unterricht mit fairem Handel beschäftigen, eigene Aktionen durchführen und ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Kinder und Jugendliche setzen sich dabei mit den weltweiten Auswirkungen ihres Konsumverhaltens auseinander und lernen, wie sie selbst zu mehr globaler Gerechtigkeit beitragen können.
Seit über 15 Jahren läuft die Kampagne, und in Saarbrücken wurden bislang 338 Schulklassen ausgezeichnet, mit denen über 7.000 Schülerinnen und Schüler erreicht wurden. Dazu kommen Workshops und Beratung für Lehrkräfte durch Bildungsreferentinnen und Bildungsreferenten. Dass die Kampagne nicht an der Stadtgrenze endet, zeigt sich in Homburg, wo die Fairtrade Initiative Saarland 2022 Klassen der Paul-Weber-Schule und eine AG des Christian-von-Mannlich-Gymnasiums auszeichnete. Beim Saarbrücker Umweltpreis ist die Initiative ebenfalls kein Neuling, schon 2025 war sie unter den Trägern der Zusatzpreise.

Die weiteren Preisträger
Neben den drei Erstplatzierten würdigte die Stadt zahlreiche weitere Projekte mit Preisgeldern zwischen 100 und 1.000 Euro. Dazu gehören der NABU Fechingen-Kleinblittersdorf, Weltveränderer e. V., das Haus der globalen Nachhaltigkeit, der Stadtbauernhof Saarbrücken, das Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland, die KÜFA – Küche für alle Saarbrücken, Die Saarbrücker Müll-Omas, Saarimpact, Dudweiler räumt auf (Claudia Wiesemann), der ADFC Saarbrücken, die Initiative StadtBaumZukunft als Projekt von Parkbeet e. V., Katja Hasler und Mitwirkende sowie das Aktionsbündnis Kidical Mass Saarbrücken. Geehrt wurde außerdem die Stiftung Saarbrücker Altenwohnstift für die Installation einer PV-Anlage und einer Wärmepumpe im Wohnstift Reppersberg.
Die bisherigen Gewinner
Wer die Liste durchgeht, begegnet vielen alten Bekannten. Den ersten Platz holte 2022 das Ludwigsgymnasium mit seinem Schulgarten, 2023 ging der Hauptpreis an den NABU Fechingen-Kleinblittersdorf, 2024 an die ehrenamtliche Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt des ADFC Saarbrücken und 2025 an Kidical Mass mit ihrer Fahrrad-Demo für kinderfreundliche Mobilität. Die Gruppe aus Fechingen und Kleinblittersdorf, die in diesem Jahr unter den weiteren Preisträgern auftaucht, stand bei den Verleihungen 2022 bis 2025 jedes Mal unter den ersten drei. Ein Planungssystem auf dem Spitzenplatz ist in dieser Reihe neu.
Umwelt- und Klimaschutzpreis der Landeshauptstadt Saarbrücken
Die Stadt vergibt den Preis jährlich, seit der ersten Verleihung 2022. Insgesamt stehen 10.000 Euro Preisgeld zur Verfügung. Bewerben können sich Vereine, Verbände, Initiativen und Einzelpersonen, auch Vorschläge für andere Personen oder Gruppen sind möglich. Ausgezeichnet werden bereits umgesetzte Vorhaben und Leistungen der vergangenen zwei Jahre, etwa aus den Bereichen Biotop- und Artenschutz, Umweltbildung, nachhaltige Mobilität, Klimafolgenforschung, Energieeffizienz oder klimafreundliche Ernährung. Die Bewerbungsfrist lief 2026 bis zum 31. August. Unterlagen und Informationen gibt es auf der Preisseite der Stadt, Ansprechpartner ist das Amt für Klima- und Umweltschutz, Rathausplatz 1, 66111 Saarbrücken.





