Mehr als 80 Gäste feierten beim Helferfest in Homburg-Erbach 55,5 Jahre Malteser-Arbeit im Saarpfalz-Kreis, Innenminister Reinhold Jost würdigte das Ehrenamt in seiner Rede. Für die neue Dienststelle im ehemaligen Pfarrhaus Maria vom Frieden haben Ehrenamtliche in den vergangenen Monaten selbst renoviert. Neben ihrem laufenden Rettungsdienst.
Zwischen Gottesdienst und Ehrungen gehörte ein Moment beim Helferfest der Malteser in Homburg-Erbach zu den ungewöhnlicheren des Nachmittags. Zwei nagelneue Motorräder wurden gesegnet, bevor sie offiziell in den Dienst der Malteser Motorradstaffel übergingen. Die Maschinen sind für Großschadenslagen gedacht, in denen blockierte Straßen oder beschädigte Infrastruktur normalen Rettungswagen den Weg abschneiden. Angeschafft mit Unterstützung des saarländischen Innenministeriums, das an diesem Nachmittag auch persönlich vertreten war.
Ein altes Pfarrhaus mit neuer Aufgabe
Der eigentliche Anlass lag tiefer als die kirchliche Segnung von Einsatztechnik. Die Malteser in Homburg feierten ihr 55,5-jähriges Bestehen – rein rechnerisch verweist die Zahl auf eine Gründung um das Jahr 1970/71 – und eröffneten zugleich ihre neue Dienststelle im ehemaligen Pfarrhaus Maria vom Frieden in Erbach. Das Haus entstand in den späten 1950er-Jahren, wenige Jahre nach der benachbarten Kirche, die bereits 1956 konsekriert worden war, und diente lange der eigenständigen Pfarrei Maria vom Frieden. Diese ging 2016 im Zuge einer Bistumsreform in der neuen Pfarrei Heiliger Johannes XXIII. auf – die Kirche selbst dient bis heute als aktive Pfarrkirche. Aus dem einstigen Pfarrhaus ist nun die Einsatzzentrale der Homburger Malteser geworden.
Wie viel Arbeit hinter dieser neuen Adresse steckt, war bei der Feier auch ohne große Worte zu sehen. In den vergangenen Monaten haben die Ehrenamtlichen die künftige Dienststelle größtenteils selbst hergerichtet, mit Renovierungs- und Umbauarbeiten, die neben dem laufenden Sanitätsdienst, der Rettungshundearbeit und der Nachwuchsarbeit im Schulsanitätsdienst und in der Malteser Jugend liefen. „Unsere Helferinnen und Helfer sind das Herz der Malteser“, sagte Prof. Dr. Christopher Wolf, Diözesanleiter der Malteser in der Diözese Speyer, bei der Feier. „Diese neue Dienststelle beginnt nicht bei null. Sie steht auf dem Fundament von mehr als fünf Jahrzehnten engagierter Malteser-Arbeit in Homburg – Kümmern, Anpacken, gemeinsam Helfen.“
Was die rund 300 Mitglieder der Homburger Gliederung heute leisten, reicht von Sanitäts- und Schulsanitätsdiensten über Erste-Hilfe-Kurse und ehrenamtlichen Katastrophenschutz bis zur Rettungshundestaffel, Jugendarbeit und sozialen Projekten. Mehr als 200 von ihnen sind aktiv im Ehrenamt engagiert.

Was der Ehrenamtsmonitor über Homburg sagt
Bundesweit sieht die Lage des Ehrenamts derzeit weniger stabil aus, als es das Homburger Fest vermuten lässt. Der Malteser-Ehrenamtsmonitor, Anfang September veröffentlicht, kommt zu einem eindeutigen Befund. 65 Prozent der Befragten halten den Staat ohne freiwillige Helfer in Krisenlagen für kaum noch handlungsfähig, doch nur 36 Prozent engagieren sich derzeit selbst ehrenamtlich. Immerhin 41 Prozent würden sich unter besseren Bedingungen – etwa Kostenerstattung oder mehr zeitlicher Flexibilität – erstmals oder verstärkt engagieren. Vor diesem Hintergrund wiegt es, dass in Homburg an diesem Nachmittag auch die Leitung des Schulsanitätsdienstes verabschiedet und neu besetzt wurde – ein Wechsel, der die Kontinuität der Nachwuchsarbeit sichern soll. Nachwuchsarbeit, die bundesweit zur Ausnahme zu werden droht, wirkt bei den Homburger Maltesern wie ein eingespieltes Ritual.
Ein Innenminister mit eigenem Interesse am Ehrenamt
Dass ausgerechnet der saarländische Innenminister zu dieser Feier kam, ist dabei auch politisch zu lesen. Reinhold Jost, seit 2022 im Amt und zuständig für Bevölkerungsschutz und Polizei, hat den Bereich in den vergangenen Monaten sichtbar aufgewertet. Im Februar richtete sein Ministerium eine eigene Abteilung für Bevölkerungsschutz ein, im August folgte die Ankündigung, rund 50 Millionen Euro in eine neue Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule in Homburg zu investieren. In seinem Grußwort bei den Maltesern würdigte er das Ehrenamt entsprechend deutlich: „Ehrenamtliches Engagement ist unbezahlbar“, sagte Jost, „euer innerer Antrieb zu helfen, beeindruckt mich sehr.“ Die Nachwuchsarbeit der Malteser lobte er gesondert: „Ihr kümmert euch um die Zukunft des Ehrenamtes, dafür danke ich euch.“

Die Malteser dankten es ihm mit der Malteser-Dankplakette, die auch seine Unterstützung für die Rettungshundestaffel, den Katastrophenschutz und die saarländische Malteser Motorradstaffel würdigt – jene Staffel, deren neue Maschinen an diesem Nachmittag gesegnet wurden. „Ein starkes Ehrenamt braucht starke Partner“, begründete Christopher Wolf die Ehrung. „Reinhold Jost unterstützt die Anliegen der Hilfsorganisationen stets und setzt wichtige Impulse für den Bevölkerungsschutz. Die Menschen hinter dem Ehrenamt stehen bei ihm an vorderster Stelle. Dafür sind wir ihm sehr dankbar.“ Die gleiche Auszeichnung erhielt Dagmar Heib, Vizepräsidentin des saarländischen Landtags und Präsidentin der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft Saar – auch bei ihr eine Verbindung von politischem Amt und Ehrenamt in Rettungsorganisationen. Unter den mehr als 80 Gästen waren zudem Homburgs Oberbürgermeister Michael Forster, Ortsvorsteher Markus Uhl und der Saarpfalz-Kreis-Beigeordnete Esra Limbacher.
Wenn die neue Leitung des Schulsanitätsdienstes in den kommenden Monaten die ersten Übungen plant, wird sie das in einem Haus tun, das die Generation vor ihr mit den eigenen Händen hergerichtet hat. Zwei frisch gesegnete Motorräder gehören von diesem Nachmittag an zur Ausstattung der Malteser Motorradstaffel, einsatzbereit für den nächsten Großschadensfall.


