Im Dreieck zwischen Congresshalle, Hauptbahnhof und Innenstadt startet die Landeshauptstadt eines der sichtbarsten Teilprojekte des Modellvorhabens „Superbrücken“. Bis zum Jahresende bekommen Hafen-, Faktorei- und Kohlwaagstraße in sieben Bauabschnitten breitere Gehwege, barrierefreie Querungen und neue Radwege – die Stadt nennt das Ergebnis „SuperUmgebung“.
Wer vom Saarbrücker Hauptbahnhof zur Congresshalle läuft, nimmt für gewöhnlich den kürzesten Weg: über die Faktoreistraße, vorbei am kleinen Kreisverkehr an der Hafenstraße, hinein in die schmale Kohlwaagstraße, die von dort weiter Richtung Innenstadt führt. Genau dieses Dreieck aus drei eher unscheinbaren Straßen im Stadtteil St. Johann soll nach dem Willen der Landeshauptstadt zur „SuperUmgebung“ werden. Zum Auftakt gehört der Rückbau der Mittelinsel am Kreisverkehr Hafenstraße/Faktoreistraße, der am Samstag, 19. September, beginnt.
Die drei Straßen liegen dicht beieinander und erfüllen zusammen eine Funktion, die über ihre bescheidene Größe hinausgeht, denn sie verbinden die Congresshalle mit der Innenstadt und dem Hauptbahnhof und bilden zugleich einen Teil des Ankunftswegs aus Alt-Saarbrücken. Wie wichtig dieser Zugang künftig wird, zeigt der Blick auf die Baustelle direkt daneben. Dort wächst seit dem Spatenstich im September 2025 der Erweiterungsbau der Congresshalle zum Messe-, Kongress- und Kulturforum (MKK) heran, für den ein europaweiter Architektenwettbewerb 2022 an das Aachener Büro Kadawittfeldarchitektur vergeben wurde und für den rund 95 Millionen Euro veranschlagt sind, größtenteils getragen von Bund und Land. Fertig werden soll das Forum Ende 2028 – und je näher dieser Termin rückt, desto stärker fällt auf, dass die Wege dorthin bislang eher Nebensache waren als Visitenkarte.
Genau hier setzt die „SuperUmgebung“ an. Ziel der Umgestaltung ist es nach Angaben der Stadt, die Wegebeziehungen vor allem für Fußgänger sowie Radfahrerinnen und Radfahrer attraktiver zu machen und die Aufenthaltsqualität in dem bislang eher zweckmäßig gestalteten Straßendreieck zu steigern. Dafür lässt die Verwaltung barrierefreie Querungsmöglichkeiten und taktile Leitelemente einbauen, schließt Lücken im bestehenden Radverkehrsnetz und ergänzt neue Radabstellanlagen. Hinzu kommen Sitzgelegenheiten und eine Beleuchtung nach heutigem Standard, während die zuständigen Versorger die geöffneten Straßen parallel nutzen, um dort Wasser- und Stromleitungen zu erneuern.
Der Kreisverkehr fällt zuerst
Sichtbar wird der Umbau zuerst dort, wo die drei Straßen aufeinandertreffen. Im ersten Bauabschnitt baut die Stadt die Mittelinsel am Kreisverkehr Hafenstraße/Faktoreistraße zurück und bereitet den Bereich für die folgenden Abschnitte vor. Dafür wird die Hafenstraße zwischen der Einmündung in die Kohlwaagstraße und dem Kreisverkehr am Samstag, 19. September, vollständig gesperrt. Aus Richtung Viktoriastraße kommend führt eine Umleitung über die Kohlwaagstraße, für Fußgänger bleiben alle Gebäude in der Zwischenzeit erreichbar. Der Bereich kann voraussichtlich noch am selben Abend wieder freigegeben werden, witterungsbedingt kann sich das allerdings verschieben.
Sackgasse, Einbahnstraße, neue Oberflächen
Der zweite und umfangreichere Bauabschnitt beginnt direkt im Anschluss, gegen Ende September, in Teilbereichen aller drei Straßen. In der Hafenstraße tauscht die Stadt die Beleuchtungsmaste aus und verlegt neue Beleuchtungskabel, am Kreisverkehr selbst entstehen die geplanten barrierefreien Querungen. In der Kohlwaagstraße verlegen die Versorger zunächst Strom- und Wasserleitungen, bevor die Landeshauptstadt anschließend die Straßen- und Gehwegbeläge in Hafen- und Kohlwaagstraße komplett erneuert und in der Kohlwaagstraße zusätzlich einen verkehrsberuhigten Bereich einrichtet.
Für den Verkehr bedeutet das spürbare Umwege. In der Hafenstraße zwischen Viktoriastraße und Faktoreistraße sperrt die Stadt während der Arbeiten jeweils eine Fahrbahn- und eine Gehwegseite; von der Luisenbrücke kommend ist das Abbiegen in die Hafenstraße dann nicht mehr möglich, der betroffene Teilbereich wird zur Einbahnstraße in Richtung Viktoriastraße. Die Kohlwaagstraße verliert dabei ihre bisherige Einbahnstraßenregelung und wird zur Sackgasse: Die Zufahrt erfolgt künftig ausschließlich über die Hafenstraße, eine Ausfahrt in die Faktoreistraße entfällt. Auf Höhe des Ärztehauses in der Faktoreistraße kann es kurzzeitig zu einer Fahrbahnverengung kommen, wenn dort Stromkabel verlegt werden – befahrbar bleibt die Straße währenddessen durchgehend. Auch in dieser Phase sind alle Gebäude für Fußgängerinnen und Fußgänger weiterhin erreichbar. Die Arbeiten sollen voraussichtlich bis Ende des Jahres dauern, auch hier kann sich der Zeitplan witterungsbedingt verschieben.
Sieben Bauabschnitte, ein Prinzip
Über die gesamte Maßnahme hinweg, die in insgesamt sieben Bauabschnitten läuft, folgt der Fußverkehr überall demselben Muster. Fußgänger können entweder entlang des jeweils aktuellen Baufelds gehen oder ausgewiesene Wege durch die Baufelder nutzen, die Eingänge zu den Gebäuden bleiben zu jedem Zeitpunkt fußläufig erreichbar. In den Baufeldern und den angrenzenden Bereichen richtet die Stadt Parkverbote ein, größere Parkplätze und Tiefgaragen bleiben aber, soweit möglich, angebunden und werden allenfalls kurzzeitig und abgestimmt gesperrt – Rettungswagen und Feuerwehr behalten dabei zu jedem Zeitpunkt freie Zufahrt.
Zweiter Projektdialog am 29. September
Der Umbau des Straßendreiecks ist einer von mehreren sichtbaren Bausteinen eines deutlich größeren Vorhabens. Mit „Superbrücken“ will Saarbrücken die westliche Innenstadt rund um St. Johann und die Tallage von Alt-Saarbrücken, die durch Stadtautobahn und Saar voneinander getrennt sind, wieder enger zusammenwachsen lassen. Für das gesamte Modellvorhaben, das der Bund gemeinsam mit Land und Stadt finanziert, stehen nach Angaben der Stadt mehr als 100 Millionen Euro zur Verfügung, die „SuperUmgebung“ selbst ist mit rund drei Millionen Euro veranschlagt und wird zu maximal 50 Prozent vom Bund und zu maximal 10 Prozent vom Land bezuschusst. Einen ähnlichen, stufenweisen Straßenumbau hatte die Stadt im Rahmen desselben Modellvorhabens bereits im Januar im benachbarten Luisenviertel begonnen – die Stadt wendet das Prinzip kleinteiliger, klar abgegrenzter Bauabschnitte in St. Johann also nicht zum ersten Mal an.
Bevor der Umbau in St. Johann nun beginnt, hat die Stadt Anlieger bereits mehrfach informiert. Der Tag der Städtebauförderung, bei dem Interessierte sich informieren, mit Expertinnen und Experten sprechen und an Führungen durch das Projektgebiet teilnehmen konnten, fand zuletzt im Mai dieses Jahres statt. Der zweite „Superbrücken Projektdialog“ zum gesamten Modellvorhaben folgt am Dienstag, 29. September, um 17 Uhr in der Arbeitskammer des Saarlandes. Die „SuperUmgebung“ bildet dabei einen der Schwerpunkte, Bauabschnitte und Verkehrsführung stehen besonders im Fokus.


