Nach jahrelangem Ringen um die passende Größe hat das Fashion Outlet in Zweibrücken seine wichtigste Genehmigung in der Tasche. Vor Gericht ist der Streit um den Ausbau trotzdem noch nicht vorbei.
Genehmigt ist in diesem Fall nicht gleich unumstritten. Das Fashion Outlet in Zweibrücken hat die finale Baugenehmigung für seine geplante Erweiterung erhalten, nach eigenen Angaben „ein bedeutender Schritt“ für die Zukunft eines Centers, das seit 25 Jahren auf dem Gelände der einstigen US-Air-Base nahe der Grenze zu Frankreich wächst. Ab Oktober soll gebaut werden. Am Ende soll die Verkaufsfläche von derzeit rund 21.000 auf rund 29.500 Quadratmeter steigen, die fünfte Ausbaustufe seit der Eröffnung im Jahr 2001. Betrieben wird das Center seit 2017 von VIA Outlets, einem europaweiten Zusammenschluss mehrerer Immobilien- und Handelsfonds, davor hatten unter anderem McArthurGlen und die Neinver-Gruppe das Sagen.
Center-Direktor Uli Nölkensmeier spricht von einem Schritt, der es dem Betreiber erlaubt, den Standort langfristig weiterzuentwickeln, das Markenangebot auszubauen und die Attraktivität für Besucherinnen und Besucher aus dem In- und Ausland zu steigern. Konkret geplant sind bis zu 50 zusätzliche Läden neben den derzeit rund 120 Geschäften. Welche Modemarken für die neuen Flächen dazukommen, ließ Nölkensmeier bislang offen, die Verhandlungen mit den Unternehmen laufen offenbar noch.

Bis zu 350 neue Jobs für die Region
Mit dem Ausbau soll auch die Beschäftigung wachsen. Allein durch die erste Ausbaustufe rechnet VIA Outlets mit rund 350 neuen Arbeitsplätzen, die über den Einzelhandel hinaus auch Dienstleistungs- und Servicebetriebe im Umfeld des Centers betreffen sollen. Berichten zufolge beschäftigt das Outlet schon jetzt rund 1.300 Menschen und zählt jährlich rund vier Millionen Besucherinnen und Besucher, ein spürbarer Teil davon reist auch aus dem benachbarten Ausland an – die geplanten 350 neuen Jobs kämen noch obendrauf. Erst im März, zum 25-jährigen Bestehen, hatte das Center vermeldet, dass sowohl Besucherzahl als auch Markenumsatz im vergangenen Jahr weiter gestiegen seien. „Die Investition unterstreicht unser langfristiges Bekenntnis zum Standort Zweibrücken“, sagt Nölkensmeier. „Mit der Erweiterung schaffen wir die Voraussetzungen für weiteres Wachstum, stärken die regionale Wirtschaft und erhöhen die touristische Anziehungskraft des Zweibrücken Fashion Outlet und der gesamten Region.“
Kooperation statt Konkurrenz mit Pirmasens
Wachsen will das Outlet dabei nicht im Alleingang. Seit März kooperiert das Center offiziell mit der Schuhstadt Pirmasens, die mit ihren eigenen Schuh-Outlets zu den größten Einkaufszielen der Südwestpfalz zählt. Statt sich gegenseitig Kundschaft streitig zu machen, bewerben sich beide Standorte inzwischen wechselseitig, mit Marketingaktionen und gemeinsamen Auftritten in sozialen Netzwerken. Am kommenden Samstag kommt ein Shuttle dazu, der beide Städte verbindet. Die begrenzten Plätze für die Fahrt am 26. September werden über ein Gewinnspiel des Regionalsenders RPR1 vergeben, wer dabei ist, lernt an einem Tag sowohl das internationale Markenangebot des Outlets als auch die traditionsreiche Schuhkultur in Pirmasens kennen. „Für uns gehören wirtschaftlicher Erfolg und ein gutes Miteinander in der Region zusammen“, sagt Nölkensmeier dazu, „gerade wenn wir weiter wachsen, ist uns wichtig, auch den Austausch mit unseren Nachbarn weiter auszubauen.“
Widerstand aus dem Saarland
Nicht überall in der Region sorgt der Ausbau für Begeisterung. Die saarländischen Städte Homburg, Neunkirchen und Saarbrücken sind mit einer Normenkontrollklage gegen den zugrunde liegenden Bebauungsplan vor Gericht gezogen. Sie befürchten, ein noch größeres Outlet direkt hinter der Landesgrenze könnte Kaufkraft aus den eigenen, ohnehin angeschlagenen Innenstädten abziehen. Der Homburger Stadtrat hatte sich im Juni mit deutlicher Mehrheit für das juristische Vorgehen ausgesprochen, Neunkirchen ließ sich die nötigen Gutachten einen hohen fünfstelligen Betrag kosten. Homburgs Oberbürgermeister Michael Forster dämpfte zugleich die Erwartungen an den Rechtsweg: Selbst ohne Erweiterung in Zweibrücken sei die eigene Innenstadt damit noch nicht gerettet, weitere Schutzmaßnahmen für den lokalen Handel blieben nötig. Über die Klagen ist bislang nicht entschieden, an der jetzt erteilten Baugenehmigung ändert das vorerst nichts.
Der Spatenstich für die fünfte Ausbaustufe des Fashion Outlet ist damit gesetzt. Ab Oktober soll auf dem ehemaligen Militärgelände gebaut werden, während vor Gericht weiter über die Zukunft der Innenstädte in der Nachbarschaft verhandelt wird.


