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LisDORFhaus in Saarlouis-Lisdorf erhält 10.000 Euro: Erster Saarländischer Kommunalpreis geht an die Dorfgemeinschaft

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Erst Kolonialwarenladen, dann Gaststätte, zuletzt Küchenstudio: Das Haus in der Provinzialstraße 78 hat in 116 Jahren schon manchen Zweck erfüllt. Heute dient es den Vereinen von Lisdorf als gemeinsame Heimat, und dafür hat es nun den ersten Kommunalpreis der Union Stiftung bekommen.

In Lisdorf mussten die Vereine eine Zeit lang in Garagen und Kellerräume ausweichen, nachdem ein Gasthaus im Ort geschlossen hatte, und manche Veranstaltung fiel ganz aus. Das ist vorbei. Seit Januar haben sie ein gemeinsames Haus, und dafür hat die Union Stiftung den Verein „Lisdorf … alles im grünen Bereich e.V.“ mit dem erstmals vergebenen Saarländischen Kommunalpreis ausgezeichnet, dotiert mit 10.000 Euro.

26 Bewerbungen, ein Preisträger

Unter dem Motto „Bürgerengagement neu gedacht“ hatte die Union Stiftung den Preis für 2026 erstmals ausgeschrieben. Bewerben konnten sich gemeinnützige Vereine, Initiativen und Jugendgremien mit kommunalem Bezug, kleinere ausdrücklich eingeschlossen. Gesucht waren Projekte, die innovativ, nachahmenswert und bürgernah sind und zeigen, wie sich Menschen ehrenamtlich in die Entwicklung ihrer Kommune einbringen. Zwischen dem 1. März und dem 31. Mai konnten Bewerbungen eingehen, am Ende lagen 26 aus dem Saarland vor. Die Stiftung hätte das Preisgeld auf mehrere Projekte aufteilen dürfen, entschied sich aber dafür, es ungeteilt nach Lisdorf zu geben. Bekannt gegeben wurde das im August beim Sommerempfang der Stiftung.

Die Preisverleihung

Überreicht wurde der Preis am Montag, 26. Oktober, im LisDORFhaus selbst. Herbert Germann, Vorsitzender des Trägervereins, begrüßte die Gäste und zeichnete die Entwicklung des Projekts nach. Schon wenige Monate nach der Eröffnung sei das Haus für die Dorfgemeinschaft unverzichtbar geworden, sagte er, und zahlreiche Vereine hätten hier eine neue Heimat gefunden, ohne die ein aktives Vereinsleben teilweise kaum möglich gewesen wäre. Besonders hob Germann das gemeinschaftliche Verantwortungsbewusstsein hervor: Die Vereine reservieren die Räume über ein digitales Buchungssystem selbst und übernehmen, solange sie im Haus sind, auch die Verantwortung dafür. Dass dieses Konzept so gut funktioniere, sei dem verlässlichen Miteinander aller Beteiligten zu verdanken.

Sein Dank galt den vielen stillen Helferinnen und Helfern, der Stadt Saarlouis sowie den Förderern und Partnern des Projekts. Für ihn sei die Auszeichnung vor allem ein Ansporn für die Zukunft. „Dieser Preis gibt uns Rückenwind, weiterzumachen und uns nicht auf dem Erreichten auszuruhen. Er ist ein Zeichen der Wertschätzung für all jene Menschen, die dieses Haus tragen und sich Tag für Tag für unsere Gemeinschaft einsetzen“, betonte Germann.

Oberbürgermeister Marc Speicher ging es in seinem Grußwort weniger um den Wert des Gebäudes als um die Menschen darin. „Der eigentliche Wert ist noch viel höher als das Haus an sich. Der Kern liegt darin, was ihr gemeinsam geschaffen habt. Was das Ehrenamt leisten kann, ist unbezahlbar – finanziell, aber auch ideell“, erklärte er. Der Union Stiftung dankte er für die Anerkennung, das Projekt zeige, welche Kraft in einer engagierten Stadtteilgemeinschaft stecke.

Justizrat Hans-Georg Warken, Vorstandsvorsitzender der Union Stiftung, verwies in seiner Ansprache auf die Herausforderungen, vor denen viele Vereine heute stehen. Gerade jüngere Menschen müssten wieder stärker für Vereinsleben und gesellschaftliche Mitgestaltung begeistert werden. Das Saarland habe zwar eine lange Tradition als Vereinsland, doch ehrenamtliches und politisches Engagement seien längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Umso wichtiger seien Projekte wie das LisDORFhaus, in denen Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Warken lobte die lebendige Gemeinschaft, die das Haus mit Leben fülle, und überreichte die Auszeichnung an den Verein.

Das Schlusswort sprach Georg Jungmann. Er blickte mit Stolz auf die Umbau- und Renovierungsarbeiten zurück, die zahlreiche Ehrenamtliche gemeinsam geleistet hatten. Nahezu jede Ecke des historischen Gebäudes erzähle ihre eigene Geschichte, sagte er, aus der Vergangenheit des Hauses ebenso wie aus der Zeit, in der die Helferinnen und Helfer zusammen angepackt und im ehemaligen Küchenstudio ein Dorfgemeinschaftshaus eingerichtet hätten. Für den musikalischen Rahmen sorgte die Band „Arc-en-ciel“ mit Alain Legroux an der Gitarre und Barbara Lauer am Gesang. Zu den Gästen zählten zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Lisdorfer Vereine und des Saarlouiser Stadtrates sowie Michael Scholl, Geschäftsführer der Union Stiftung. Nach dem offiziellen Teil klang die Veranstaltung bei einem gemütlichen Beisammensein aus.

Ein Haus mit Geschichte

Erbaut wurde das Gebäude 1910 von Margarete Breininger, im Volksmund „Zockerneckels Greet“ genannt, als Kolonialwarenhandlung. Ab 1912 führten wechselnde Pächter hier eine Gaststätte, bis in die 1990er-Jahre hinein, danach zogen ein Frauenladen und zuletzt ein Küchenstudio ein. Bei den Bürgerworkshops zum Dorfentwicklungskonzept „Links der Saar“, das die Stadt Ende 2023 für Beaumarais, Lisdorf, Neuforweiler und Picard auf den Weg brachte, wurde deutlich, dass den Vereinen ein zentraler Treffpunkt fehlt.

Im Oktober 2025 waren die Mietverträge unterschrieben, die Stadt Saarlouis ist Mieterin, der Verein wurde ihr Hauptansprechpartner. Umgebaut wurde in Eigenregie: Nach Angaben von Georg Jungmann packten rund 20 Helferinnen und Helfer an, jeweils zehn bis zwölf von ihnen gleichzeitig. Mitte Januar 2026 wurde das Haus eröffnet, nach Angaben der Stadt als erstes Dorfgemeinschaftshaus in Saarlouis.

Ein Dach für rund 18 Vereine

Heute bietet das LisDORFhaus rund 18 Ortsvereinen mit insgesamt etwa 1.500 Mitgliedern sowie der gesamten Dorfgemeinschaft Raum für Begegnung und gemeinsame Aktivitäten. Es gibt Versammlungs- und Proberäume, Büros, Lagermöglichkeiten und Räume für Bildungs- und Freizeitangebote. Die Stadt Saarlouis ist Mieterin, der Verein „Lisdorf … alles im grünen Bereich e.V.“ Träger und zentraler Ansprechpartner. Das Preisgeld soll nach den Plänen des Vereins in den Ausbau des Kellers fließen, wo Spielgeräte wie Kicker, Flipper und Dartscheibe junge Menschen ansprechen sollen, und in die Bibliothek im Obergeschoss, die als Rückzugsort weiter vorangebracht werden soll.

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