Fünf Regisseure, ein Ewigreich: „Insidious 6″ macht plötzlich wieder Angst! Nach zwei Jahrzehnten und fünf verschiedenen Regie-Handschriften wirkte die Horror-Reihe zuletzt irgendwie etwas ausgelutscht. Teil sechs findet jetzt mit einer neuen Hauptfigur einen persönlicheren Blick, als man erwarten durfte.
Kaum eine Horror-Reihe hat ihren Regiestuhl so oft neu besetzt wie „Insidious„. James Wan drehte 2010 den ersten Teil und 2013 die Fortsetzung, dann übernahm sein Autor Leigh Whannell, danach Adam Robitel, und für „The Red Door“ setzte sich 2023 Hauptdarsteller Patrick Wilson selbst hinter die Kamera – mit einem Ergebnis, das bei Kritik und Publikum zu den schwächsten der Reihe zählte. Dass jetzt mit Jacob Chase bereits die fünfte andere Handschrift am Werk ist, klingt nach einer Reihe, die sich selbst nicht mehr über den Weg traut.
Umso überraschender, wie klar „Insidious 6: Out of the Further“ seinen eigenen Ausgangspunkt findet. Im Zentrum steht diesmal Gemma, gespielt von Amelia Eve, die mit ihrer kleinen Tochter zurück in das Haus ihrer eigenen Kindheit zieht und dort eine Gabe an sich entdeckt, die sie sich nie gewünscht hätte: Sie kann ins „Ewigreich“ reisen, jene lichtlose Zwischenwelt, in der dunkle Wesen seit dem ersten Teil auf einen Weg zurück in die reale Welt warten. Kaum wird sichtbar, wozu sie fähig ist, beginnt genau dieser Übertritt, und mit ihm die Gefahr für die eigene Tochter.
Amelia Eve trägt „Insidious 6″ mit einer zurückgenommenen Gemma
Was den Film trägt, ist weniger der Schreckmoment im Zweiminutentakt als eine Frage, die er unter die Horrorfassade schiebt: was es mit einer Mutter macht, zu wissen, dass die eigene Tochter ihretwegen in Gefahr gerät. Amelia Eve spielt diese Schuld nicht larmoyant, sondern zurückgenommen, fast trocken – ein Blick zur Seite, ein Zögern vor der Kinderzimmertür, mehr braucht es nicht, damit man die Angst mitfühlt, statt sie erklärt zu bekommen.
Lin Shaye, seit dem ersten Teil das Gesicht der Reihe, bekommt diesmal weniger Zeit als sonst, und doch reicht ihr ein einziges müdes Lächeln in der Türschwelle, um mehr über die Figur zu erzählen als die fünf Filme davor zusammen.
Wo der Film ins Straucheln gerät, ist dort, wo Regisseur Jacob Chase glaubt, dem Ewigreich noch einmal seine eigenen Regeln erklären zu müssen – drei zusätzliche Sätze, die niemandem etwas Neues sagen und dem letzten Drittel genau das Tempo nehmen, das es für die Konfrontation bräuchte. Bildlich bleibt die Reihe sich sonst treu: enge Flure, harte Schattenkanten, ein Sounddesign, das lauter arbeitet als jedes Monster im Bild. Neu ist, wie konsequent all das diesmal auf Gemmas Kopf zurückgebunden wird, statt nur Effekt zu sein – die Kamera fragt nicht „was lauert dort“, sondern „was hält sie davon ab, wegzulaufen“.
Nach fünf Regiewechseln und einem Vorgänger, den kaum jemand verteidigen wollte, ist „Out of the Further“ keine Rettung der ganzen Reihe, aber ein Beweis, dass in diesem Ewigreich noch eine gute Geschichte steckt, wenn man sie an eine einzelne Figur bindet statt an einen Franchise-Kalender.
Insidious 6: Out of the Further Genre: Horror, Thriller Regie: Jacob Chase Besetzung: Amelia Eve, Brandon Perea, Lin Shaye FSK: noch nicht final freigegeben, erwartet ab 16 Kinostart: 20. August 2026
Wo genau er läuft, verrät euch am ehesten eine kurze Suche – sollte aber in den meisten größeren Kinos in der Region zu finden sein.


