Vor 66 Jahren wuchs hier ein Garten als Symbol der deutsch-französischen Freundschaft. Am Samstag wächst daraus für einen Nachmittag eine Bühne, auf der vier Städte gleichzeitig laut werden.
Wer heute durch den Deutsch-Französischen Garten läuft, steht auf Geschichte, ohne es zu merken: Der Park wurde 1960 auf ehemaligen Bunkern des Westwalls angelegt, eröffnet von Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem französischen Ministerpräsidenten Michel Debré, als Symbol der deutsch-französischen Freundschaft nach der politischen Rückgliederung des Saarlands. Am Samstag wird aus dem symbolisch aufgeladenen Grün wieder ein Konzertgelände. Zum zweiten Mal ist Saarbrücken Gastgeberstadt der QuattroPole Session, jener Konzertreihe, die reihum durch die vier Partnerstädte Luxemburg, Metz, Trier und Saarbrücken zieht und jedes Mal Bands aus der gesamten Großregion auf eine gemeinsame Bühne holt.
Nach der Eröffnung durch Oberbürgermeister Uwe Conradt übernimmt zunächst MARCY das Feld. Die Luxemburgerin, die zwischen Studios in Luxemburg und Stockholm pendelt und bereits beim United Islands of Prague Festival aufgetreten ist, hat sich mit ihrer EP „Backwoods“ einen Ruf als Alternative-Pop-Künstlerin erspielt, die zeitgenössischen Pop mit rauen Rock-Kanten mischt – zuletzt zu hören auf der Single „Until She Minds“. Danach folgt ein Kontrastprogramm aus Metz – Sänger Thibaut Sibella, sonst mit der Band The Yokel unterwegs, nimmt hier zusammen mit Kontrabass und Banjo einen Umweg über Bluegrass und Indie-Folk, inspiriert von Rockmusik der Sechziger- und Siebzigerjahre. Es ist ein Ausflug, der sich anhört wie eine französische Antwort auf jene Americana-Welle, die spätestens seit Mumford & Sons auch europäische Festivalbühnen erreicht hat.
Am frühen Abend wechselt die Sprache ins Deutsche. LEVKA aus Trier, 20 Jahre alt und bei Sony unter Vertrag, hat seine EP „Vertigo“ nach eigener Aussage größtenteils am heimischen Klavier geschrieben, bevor daraus Deutschpop mit fast 1,5 Millionen Streams für den Song „Teil von dir“ wurde. Er stand bereits als Vorgruppe für Wincent Weiss und Johannes Oerding auf großen Bühnen, ehe er nun mit seinen persönlichen Texten in den Deutsch-Französischen Garten kommt. Den Abschluss übernimmt die Gastgeberband selbst – LADY BUTTERFLY aus Saarbrücken bringt mit deutsch-französischem Pop-Rock genau jene doppelte Identität auf die Bühne, für die das Städtenetzwerk steht.
Kuratiert hat das Programm Norbert Küntzer, seit 1988 im Kultur- und Musikbereich der Stadt Saarbrücken unterwegs, Mitinitiator des Rockmobils, seit 2007 künstlerischer Leiter des Saarbrücker Altstadtfests und Mitautor des Buchs „Saar Rock History“ – einer, der die Musikszene der Region vermutlich besser kennt als die meisten. Das Städtenetz QuattroPole selbst gibt es seit dem Jahr 2000, mittlerweile als eingetragener Verein mit gemeinsamer Geschäftsstelle im Haus der Großregion in Esch-sur-Alzette. Es verbindet rund 530.000 Menschen in den vier Städten und versucht, aus vier Verwaltungen so etwas wie ein gemeinsames Lebensgefühl zu machen. Am Samstag ist davon nichts zu ahnen – nur vier Bands, ein Rasen, und niemand, der nach Pass oder Sprache fragt.
QuattroPole Session in Saarbrücken
Samstag, 25. Juli 2026, 15.00–21.30 Uhr, Deutsch-Französischer Garten Saarbrücken. Programm: MARCY (15.15 Uhr), Thibaut Sibella and the Graveyard Shift (17.00 Uhr), LEVKA (18.45 Uhr), LADY BUTTERFLY (20.30 Uhr). Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich.



