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Absolventen-Ausstellung der HBKsaar – Ein Wochenende zwischen Kunstversteigerung und Open-Air-Kino

In der Handwerkergasse der Völklinger Hütte, wo einst Schlosser und Maurer die Hochöfen instand hielten, hängen an diesem Wochenende wieder Abschlussarbeiten. Die HBKsaar zeigt, wohin ein Kunststudium führen kann – und feiert dabei gleich mit.

Wo einst Handwerker die sechs Hochöfen instand hielten, hängen jetzt Fotografien, Videoarbeiten und Objekte von Menschen, die gerade ihr Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar abgeschlossen haben. Der Kontrast trägt die ganze Ausstellung: hier das seit 1986 stillgelegte, seit 1994 unter UNESCO-Schutz stehende Zeugnis der Roheisenproduktion, dort druckfrische Abschlussarbeiten, die noch nach Atelier riechen.

Die HBKsaar lädt zur Absolvent*innen-Ausstellung 2026 – einem Wochenende, das Feier, Werkschau und Sommerfest zugleich ist. Gezeigt werden Bachelor-, Diplom- und Masterarbeiten aus Freier Kunst, Kommunikationsdesign, Produktdesign und Media Art & Design, verteilt über den Campus Saarbrücken, die Dependance in Völklingen und drei weitere Orte in der Stadt – vom Dock 11 über das Kulturgut Ost bis in die Försterstraße.

Wer durch die Räume geht, merkt schnell: Ein gemeinsamer Nenner lässt sich hier nicht ausrufen, und das scheint auch nicht das Ziel zu sein. Šejla Daudbašić hat mit „Quiet Hands“ diskrete Tastobjekte für Menschen entwickelt, die stimmen. Ein paar Räume weiter zeigt Tamara Bulajić mit „Growing Light“ Leuchtobjekte aus bakterieller Zellulose, deren Lichtdurchlässigkeit sich mit dem Material selbst verändert. Katharina Andrea Weigert ist für „Revealing Residues“ den Sedimenten der Saar nachgegangen, Frederick Staut hat mit „to return“ untersucht, was aus zirkulärer Biomasse als Produktmaterial werden kann. Vier Beispiele aus einem einzigen Studiengang, vier vollkommen unterschiedliche Fragen.

Im Bereich Kommunikationsdesign wird es politischer. Taisiia Tsykolanova nennt ihre Bachelorarbeit „Samisdat: Widerstand“ – ein Titel, der auf die selbstgedruckte, unter der Hand verbreitete Literatur verweist, mit der Dissident*innen in der Sowjetunion die Zensur umgingen. Saleh Alsaid zeigt im Dock 11 mit „Labib’s Eternal Wisdom“ eine ganz andere Erzählform, Anna Pauline von Trott zu Solz beschließt mit ihrer Diplomarbeit „Wettbewerben“ die Reihe. Aus der Freien Kunst sticht j. Haeusser mit der unverblümt betitelten Arbeit „aufrecht gehen, aufrecht pinkeln“ heraus – Humor und Ernst schließen sich auf dieser Ausstellung offenbar nicht aus. In der Game Lounge widmet sich Maria Kopysheva mit „Second Sky“ der spielerischen Seite von Media Art & Design.

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Dass eine Kunsthochschule ihre Absolvent*innen so unterschiedliche Wege gehen lässt, hat an der HBKsaar Tradition, die weiter zurückreicht als das heutige Gebäude. Ihre Vorläuferinstitution, die spätere Werkkunstschule Saarbrücken, war der Ort, an dem Oskar Holweck ab 1961 seine eigene Grundlehre entwickelte – eine Ausbildung des Sehens. Gelernt hatte er sein Handwerk zuvor bei Boris Kleint, der selbst Schüler des Bauhaus-Lehrers Johannes Itten war und die Grundlehre Mitte der fünfziger Jahre an seinen damaligen Assistenten Holweck weitergab. 1958 holten Otto Piene und Heinz Mack Holweck in ihre gerade gegründete Künstlergruppe ZERO, deren Anspruch sich in einem Satz bündelte: „Zero ist die Stille, Zero ist der Anfang.“ Holweck blieb der Region trotzdem treu: Einladungen zur documenta lehnte er zweimal ab. Was von seiner Grundlehre übrig geblieben ist, lässt sich in den Abschlussarbeiten von heute nicht direkt ablesen – aber der Gedanke, dass Wahrnehmung und Handwerk zusammengehören, bevor ein Konzept entsteht, wirkt in der Breite der aktuellen Schau nach.

Wie es nach dem Studium weitergehen kann, zeigt in diesem Jahr die Alumni-Ausstellung im Aquarium des Campus Saarbrücken, angekündigt unter dem Titel „Von 0 auf 100“. Ehemalige Studierende stellen Arbeiten aus, die entstanden sind, nachdem die Hochschule längst hinter ihnen lag. Wie unterschiedlich solche Wege verlaufen können, haben Absolvent*innen der vergangenen Jahre selbst vorgemacht: Anna Louisa Steinbach gewann 2024 den Hessischen Staatspreis Universelles Design für ihr inklusives 3D-Tastspiel „tilo“, Dean Weigand wurde mit seiner Masterarbeit über geplante Obsoleszenz beim German Design Graduates Award 2024 in der Kategorie „Design für eine neue Wissens- und nachhaltige Produktkultur“ ausgezeichnet, und Katharina Krenkel, die im hauseigenen Format „art talk“ über die Grundlehre bei Oskar Holweck sprach, gilt heute als bekannte Künstlerin.

Ein reines Ausstellungswochenende ist das Ganze trotzdem nicht. Zur Eröffnung hält der Rektor eine Rede, das neue HBKsaar-Jahrbuch 2025 wird vorgestellt, die Absolventinnen werden geehrt – anschließend übernimmt das AStA-Sommerfest den Innenhof. Der Förderverein versteigert in der Aula Werke von Studierenden und Lehrenden, bei gutem Wetter läuft im Innenhof das Open-Air-Kino des Filmateliers. Führungen mit den Professorinnen ergänzen das Programm, der Eintritt ist durchgehend frei.

Wer das Wochenende verpasst, hat noch eine zweite Chance. Die Alumni-Ausstellung und die Produktdesign-Schau in der Galerie bleiben länger geöffnet – dann allerdings ohne Hochofenkulisse, nur auf dem Campus Saarbrücken.

„Absolvent*innen-Ausstellung 2026 der HBKsaar“ – Eröffnung: Freitag, 17. Juli 2026, 19 Uhr, Campus Saarbrücken

Campus Saarbrücken, Keplerstraße 3–5, 66117 Saarbrücken Freitag, 17. Juli: 19–21.30 Uhr (ab 21 Uhr AStA-Sommerfest) Samstag, 18. Juli: 11–18 Uhr (12.30 Uhr Kunstversteigerung in der Aula, ab ca. 21.30 Uhr Open-Air-Kino) Sonntag, 19. Juli: 12–18 Uhr

Campus Völklingen Handwerkergasse, Weltkulturerbe Völklinger Hütte, Rathausstraße 52, 66333 Völklingen Samstag, 18. Juli: 12–18 Uhr Sonntag, 19. Juli: 12–18 Uhr

Externe Ausstellungsorte: Dock 11 (Neumarkt 15), Kulturgut Ost (An der Römerbrücke 5), Försterstraße 9, alle in Saarbrücken

Verlängert bis 25. Juli, Mo–Sa, 17–20 Uhr: Absolvent*innen-Ausstellung Produktdesign (Galerie) und Alumni-Ausstellung (Aquarium), Campus Saarbrücken

Eintritt frei, keine Anmeldung nötig Programm: hbksaar.de

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