Ja, wirklich! Das Esplanade in Saarbrücken steht gleich dreimal in den Listen, Christian Bau landet unter den besten zwölf. Wer hinter den saarländischen Namen in den Rolling-Pin-Rankings steckt und was in ihren Häusern auf den Teller kommt.
Rund eine Million Menschen leben im Saarland. Für ein so kleines Land tauchen in den Ranglisten, die das Gastromagazin Rolling Pin rund um seine Convention in Düsseldorf veröffentlicht hat, erstaunlich viele saarländische Namen auf. Fünf der 100 Best Chefs Germany kochen zwischen Perl und St. Ingbert. Vanessa Herrmann vom Saarbrücker Esplanade ist Maître des Jahres, und ihr Kollege Christian Pufahl steht auf Rang 16 der 50 Best Sommeliers. Dazu kommen Cliff Hämmerle und Alexander Kunz, die als Top Chefs geehrt wurden. Von den acht Restaurants, die der Guide Michelin 2026 im Saarland mit Sternen führt, fehlt in diesen Listen nur das midi in St. Ingbert.
Drei Auszeichnungen für das Esplanade
Nirgends ballen sich diese Namen so wie im Esplanade in der Nauwieserstraße, wo gleich drei Menschen aus einem Haus in den Listen stehen. Mit Vanessa Herrmann geht der Titel Maître des Jahres an die Gastgeberin und damit an den Service, der im Fine Dining oft die halbe Miete ist. Christian Pufahl hat sich unter den Sommeliers von Platz 29 im Vorjahr auf Rang 16 verbessert, obwohl er erst im Sommer 2025 aus Düsseldorf ins Saarland kam. Dort war er Serviceleiter und Head-Sommelier der Weinbar Rocaille gewesen, im Esplanade wollte er die Weinkarte mit damals rund 900 Positionen behutsam weiter ausbauen.
Silio Del Fabro steht auf Platz 71 der 100 Best Chefs und prägt die Küche des Esplanade, seit das Haus 2017 eröffnet hat. Mit der Sterneküche kam er im Wein- und Tafelhaus in Trittenheim in Berührung. Über das Sonnora und die Residenz Heinz Winkler führte sein Weg zu Klaus Erfort nach Saarbrücken, wo er lange Sous Chef war. Im Esplanade hat er einen eigenen Stil entwickelt, der Modernes und Klassisches so verbindet, dass die Teller leicht und elegant wirken. Der Guide Michelin vergab 2019 den ersten und 2021 den zweiten Stern, und der Restaurantführer Gusto kürte Del Fabro zum Koch des Jahres 2026.
Christian Bau steht als bester Saarländer auf Platz 11
Christian Bau kocht im Saarland in einer eigenen Liga, und auch im Ranking liegt er vor allen anderen aus dem Land. Victor’s Fine Dining in Perl-Nennig hält seit dem 21. November 2005 ununterbrochen drei Michelin-Sterne. Im vergangenen November feierte das Haus zwanzig Jahre Höchstwertung. Bau war damals der jüngste Drei-Sterne-Koch Deutschlands und ist heute, wie die Fachplattform Tageskarte schreibt, der dienstälteste. Seine Küche verbindet französische Haute Cuisine mit japanischer Produktkultur, er selbst nennt das „bau.stil“. 2023 zeichnete ihn der Guide Michelin als Mentor Chef aus.
Klaus Erfort liegt mit seinem GästeHaus auf Platz 34
Del Fabros früherer Chef steht im Ranking deutlich weiter vorn. Klaus Erfort betreibt sein Gästehaus seit 2002 in einer Gründerzeitvilla an der Mainzer Straße, zu der ein englischer Privatpark gehört. Gelernt hat er bei Claus-Peter Lumpp und Harald Wohlfahrt, 2008 kürte ihn der Gault&Millau zum Koch des Jahres. Heute kocht er mit zwei Michelin-Sternen klassisch französisch. Wie das aussehen kann, zeigt ein Baeckeoffe von der Mieral-Taube mit Périgord-Trüffel-Jus: ein elsässischer Schmortopf-Klassiker, den Erfort in die Sterneküche holt.
Im LOUIS und im ATAMA wird auf Zwei-Sterne-Niveau gekocht
Das LOUIS in Saarlouis und das ATAMA in St. Ingbert verbindet ein Name. Martin Stopp, bekannt geworden mit dem LOUIS, kocht inzwischen im ATAMA. Dort bietet er ein „Menü für die Seele“ und ein „Menü für die Sinne“ in fünf, sechs oder sieben Gängen an, der Guide Michelin vergibt dafür zwei Sterne.
In den 100 Best Chefs steht er auf Platz 46. Im LOUIS leitet heute Sebastian Sandor die Küche, und er landet sogar weiter vorn, auf Platz 27. Das Restaurant liegt im Boutique-Hotel La Maison. Der hohe Speisesaal der Villa war einst ein Gerichtssaal, und die Küche sitzt in einem gelben Glaskubus, den man schon beim Hereinkommen sieht. Sandor serviert sieben Gänge, modern französisch mit starken japanischen Einflüssen, ebenfalls mit zwei Sternen.
Cliff Hämmerle und Alexander Kunz gehören zu den Top Chefs
Ohne Rangfolge ehrt Rolling Pin außerdem die Top Chefs. Das sind Köche, die bei der Nominierung für die 100 Best Chefs mindestens zehn Stimmen bekamen, ohne unter die hundert meistnominierten zu kommen. Cliff Hämmerle hat in Blieskastel einst den Imbiss seines Vaters übernommen, der Metzgermeister war, und ist mit diesem Betrieb über die Jahre bis in die Sterneküche gewachsen. Seinen ersten Michelin-Stern bekam er 2012 für die Barrique, und auch im Guide 2026 steht Hämmerle’s Restaurant mit einem Stern. Er kocht mit Produkten aus dem Biosphärenreservat Bliesgau, von Schäfern, Käsereien und Ölmühlen der Region. Deshalb nennt ihn das Magazin Merian so etwas wie den kulinarischen Botschafter des Bliesgau.
Alexander Kunz führt mit seiner Familie das Restaurant Kunz im St. Wendeler Stadtteil Bliesen. Dort serviert er gemeinsam mit Küchenchef Patrick Jenal klassische französische Küche mit einem Michelin-Stern. Wer im Wintergarten sitzt, blickt auf die Kirche St. Remigius, und zu den bekannten Klassikern des Hauses gehört ein Cordon bleu vom Milchkalbsrücken, gefüllt mit Honigschinken und Taleggio.
Legt man die Lebensläufe nebeneinander, merkt man schnell, wie klein die saarländische Spitzenküche ist. Silio Del Fabro war lange Sous Chef bei Klaus Erfort und steht jetzt mit ihm in derselben Liste, Martin Stopp wurde im LOUIS bekannt, in dem heute Sebastian Sandor kocht, und im Esplanade teilen sich Küche, Service und Weinkeller gleich drei Auszeichnungen. Die Szene ist klein genug, dass man sich kennt, und offenbar groß genug für fünf Plätze unter den hundert Besten des Landes.





